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Interview mit Andrea Sawatzki zu den Hörbuchaufnahmen von "Der Zauberer von Oz"
Frau Sawatzki, wie waren die Aufnahmen?
Es hat sehr großen Spaß gemacht, weil ich sehr, sehr gerne Kinderbücher lese. Wobei auch Erwachsene "Der Zauberer von Oz"; sehr gut hören können. Aber wenn ich die Vorstellung habe, dass mir Kinder zuhören, dann beflügelt mich das noch ein bisschen mehr. Ich habe noch mehr Lust und Mut, mich in die verschiedenen Figuren hineinzuversetzen. Vielleicht liegt das auch daran, dass ich drei Jahre lang Kindertheater gespielt habe. Das fand ich sehr spannend und schön, weil Kinder einem nichts durchgehen lassen. Kinder sind kritischer als Erwachsene und spüren schneller, wenn etwas falsch ist. Deshalb möchte ich, wenn ich ein Kinderbuch lese, es noch schöner und ehrlicher machen.
Sie geben den Figuren ganz verschiedene Stimmen… wie haben Sie die Stimmen gefunden? Jetzt erst beim Sprechen?
Man hat ein Bild der Figuren vor Augen und überlegt sich, wie die sich wohl anhören. Ich hatte mir schon im Vorfeld überlegt, wie ich vor allem die vier Hauptfiguren sprechen will. Das habe ich mit Frank Gustavus, dem Regisseur, hier vor Ort noch einmal abgesprochen. Sie sind jetzt ungefähr so geworden, wie ich sie in meiner Vorstellung hatte. Wir haben manche Figuren etwas abgemildert, weil die längere Passagen zu sprechen hatten. Das wäre zu anstrengend für den Zuhörer geworden. Der Regisseur war eine sehr große Hilfe für mich. Er hatte ebenfalls ein genaues Bild von den Figuren und konnte mich so teilweise bremsen. Wichtig ist natürlich – weil man sich ja selbst nicht hört – dass der Regisseur immer dabeisitzt und kontrolliert, ob die Stimme noch so ist wie 20 Seiten vorher.
Wie haben Sie sich dann vorbereitet? Haben Sie schon zu Hause überlegt, wie Sie sprechen wollen und sich Notizen an den Rand gemacht? Oder wie muss man sich das vorstellen?
Wirklich einstudiert habe ich die Stimmen nicht, weil ich ja nicht wusste, ob die Regie damit zufrieden sein würde. Ansonsten habe ich bei Textstellen, wo die Figuren in sehr schneller Reihenfolge wechseln, die Anfangsbuchstaben an den Rand geschrieben, damit ich sofort beim Lesen wusste: "Ach, jetzt wieder Dorothy, oder jetzt kommt wieder der Löwe…."; Also „D“ oder „L“ oder „H“ oder „V“ für Vogelscheuche.
"Der Zauberer von Oz" ist ja ein echter Kinderklassiker…
Ja, gerade die alten Geschichten haben oft etwas ganz Besonderes… Ich habe manchmal das Gefühl, dass die alten Märchen noch sorgfältiger geschrieben sind. Also mit noch mehr Liebe. Liebe zum Detail. Das machte jetzt beim Lesen sehr großen Spaß. Es war alles so stimmig und rund und ich sah die Figuren deutlich vor mir. Auch wie die Landschaften beschrieben sind – das ist bei "Der Zauberer von Oz" sehr schön.
Wenn Sie sich etwas wünschen dürften vom Zauberer von Oz, was würden Sie sich dann wünschen?
Oh, mein Gott, wir haben eigentlich alles – meine Familie und ich. Natürlich wünscht man sich immer, dass alle gesund bleiben. Das ist das Wichtigste. Was anderes wünsche ich mir eigentlich nicht.
Der Holzfäller und der Strohmann streiten sich in "Der Zauberer von Oz", was denn wichtiger sei, Herz oder Verstand. Der eine möchte das Herz unbedingt haben, der andere den Verstand – und jeder meint, dass das, was er nicht hat oder meint, nicht zu haben, das allerwichtigste sei. Wenn Sie sich jetzt entscheiden müssten: Herz oder Verstand, wofür würden Sie sich entscheiden?
Puh, das ist sehr, sehr schwer. Wahrscheinlich fürs Herz, wobei der Verstand natürlich auch relativ wichtig ist. Gerade, wenn man Kinder hat, muss man ihnen ja schon erklären, warum manche Sachen sinnvoll sind und manche nicht so sehr. Aber, ich glaube, das kann man auch alleine von einem Herzgefühl ausgehend. Wenn man nach dem Herzen – oder man sagt ja auch nach dem Bauch – geht, dann kann es eigentlich keine allzu großen Fehlentscheidungen geben.
Ich weiß übrigens, was ich mir wünsche: Ich wünsche mir, dass meine Söhne, wenn sie das Hörbuch hören, nicht allzu kritisch mit mir umgehen und dass sie Spaß daran haben. Dass sie sagen: „Mama, das war schön. Das hast du gut gemacht!" Das wäre schön.
Hat die Geschichte für Sie eine Botschaft?
Dass man Fremde nicht aufgrund Ihres Aussehens beurteilen sollte, sondern sie erst einmal kennenlernen und sich dann ein Urteil über die Menschen machen sollte. Dass jemand, der aussieht wie eine Vogelscheuche, nicht unbedingt ein schlechter Mensch sein muss. Oder wie sich jemand kleidet – das ist alles unerheblich. Dass Freunde sehr wichtig sind. Dass man gemeinsam mehr schafft, als im Alleingang. Dass der Glaube wichtig ist, der Glaube an das Gute und der Glaube an sich selbst, an die eigene Kraft. Und – dass es zu Hause eben doch am schönsten ist.
Was macht an Hörbuchaufnahmen besonders viel Spaß?
Es kommt natürlich auf das Hörbuch an. Ich finde es schön, wenn man sich in verschiedenste Figuren hineinversetzen und prägen kann. Wenn man unterschiedliche Stimmen erfinden muss, um diese Figuren zum Leben zu erwecken. Ich muss sagen, dass ich weniger gern Krimis lese, auch wenn mir das irgendwie immer angetragen wird. Wahrscheinlich, weil ich solange den Tatort gemacht habe. Krimis reizen mich im Allgemeinen nicht so sehr. Aber ich mag sehr gerne Geschichten. Ich mag sehr gern traurige Geschichten, komische Geschichten und Geschichten für Kinder… Märchen.
Mehr Informationen zum Hörbuch "Der Zauberer von Oz" - gelesen von Andrea Sawatzki


